Der G8-Lehrplan für das Gymnasium in Bayern beschreibt das Selbstverständnis des Faches Ethik folgendermaßen:
„Das Fach Ethik unterstützt die Suche junger Menschen nach einer verlässlichen moralischen Orientierung in der Welt von heute.“
Im Schuljahr 2008/09 bestehen am Balthasar-Neumann-Gymnasium in Marktheidenfeld Ethik-Kurse sowohl in der Unter- und Mittelstufe, als auch in der Oberstufe, einschließlich Kollegstufe natürlich.
Nun scheint dies nicht sonderlich erwähnenswert zu sein. Ist es auch nicht! Vielmehr sollte man sich vor Augen führen, dass die Themenschwerpunkte, die in den einzelnen Kursen besprochen werden sich immer wieder auch in anderen Jahrgängen finden lassen (vgl. Übersicht im aktuellen G8- und G9-Lehrplan).
Behandelt die 5. Klasse die Frage, welche Regeln für ein funktionierendes Zusammenleben einer Gemeinschaft notwendige Voraussetzung sind, hätte auch der Grundkurs Ethik der K13 hierzu etwas zu sagen. „Was ist Gerechtigkeit?“ ist eine zentrale Frage im Halbjahr 13/2.

Die antike Göttin der Gerechtigkeit "Justicia"
Der Begriff „Verantwortung“ findet sich sowohl in der 5. als auch in der 8. Jahrgangsstufe. Die Beschreibung der Verantwortung als „Relationsbegriff“ steht hier im Vordergrund. Sinnfindung und die großen Weltreligionen finden sich nicht nur in den Kursen der 7. und der 8. Jahrgangsstufe.
Wie sehen nun Lösungsansätze aus?
Der antike Philosoph Platon beschreibt das Wesen der Gerechtigkeit als Ausgleich der gesellschaftlichen Kräfte. Falls eben „Jeder das Seine tut“, befinden sich der Staat und auch die Seele des einzelnen im Einklang. D.h. die Vorstellung eines gesellschaftlichen Ausgleichs, der auf die Mitwirkung aller Kräfte angewiesen ist, wird hier skizziert.

Platon und Aristoteles -
Raffaels "Philosophenschule von Athen" (ca. 1510)
in der Stanza della Segnatura des Vatikan
Der Begriff der Verantwortung definiert sich im hier vorliegenden Kontext weitgehend darüber, wer vor wem wofür Verantwortung übernimmt, d.h. welche Beziehungen (=Relationen) das Verantwortungsverhältnis beschreibt.
Kann sich das einzelne Individuum diesen Begriffen entziehen? Wohl kaum! Die Suche nach Sinn im Leben bringt uns immer wieder an den Punkt, an dem wir danach fragen müssen, wie wir uns in der Welt zurechtfinden können.
Ist es dabei überhaupt sinnvoll auf Philosophen zurückzugreifen, die seit mehr als 2000 Jahren tot sind? Der oben erwähnte Lehrplan bejaht dies. Trotzdem, so kann man sagen, ist das noch keine ausreichende Antwort auf die Frage.
Schaltet man aber den Fernseher ein und schaut mal nicht „Die Simpsons“ , sondern die „Tagesschau“ , oder auch beim Blick in die Tageszeitung stößt man schnell auf die Frage, ob vermeintlich überhöhte Managergehälter ungerecht sind, wenn im Gegenzug viele Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren.

Mr. Burns freut sich über einen erfolgreichen Geschäftsabschluss
Der ebenfalls oft zitierte Klimawandel fordert von jedem Einzelnen von uns verantwortliches Verhalten im Umgang mit Rohstoffen und Energie. Zudem stellt sich doch immer wieder – aber gerade heutzutage – die Frage, ob Schönheit und besonders Reichtum allein glücklich machen.
Ob nun Krösos oder Tellos, Mr. Burns oder Homer Simpson?
Wie sieht denn nun ein „geglücktes Leben“ aus?
Finden wir Erfüllung im wirtschaftlichen Wohlstand?
Gibt es einen allgemeingültige Verpflichtung zur Verantwortung?
„Gibt es einen ´Sinn des Lebens`?“ ist sicher eine der meist gestellten Fragen der Menschheit.
Gibt es eine schlüssige Antwort hierauf?
Wohl kaum… - Vielmehr tauchen neue Fragen auf.
„Was kann ich wissen?“
„Was soll ich tun?“
„Was darf ich hoffen?“
„Was ist der Mensch?“
Vielleicht umschließt die letzte Frage die vorigen, dennoch umreißen diese Themen (= Metaphysik, Moral, Religion, Anthropologie) den Ethikunterricht in seiner ganzen Bandbreite recht gut.
Zugegebenermaßen, auch bei diesem Fragekatalog wurde auf einen Philosophen zurückgegriffen, der schon lange das Zeitliche gesegnet hat, Immanuel Kant hieß er.

Auguste Rodin: Der Denker, 1880,
New York, The Metropolitan Museum of Art
Ob sich hierauf nun Antworten finden lassen? Gibt es verlässliche Orientierungshilfen im moralischen Dschungel unserer Tage?
Eins steht zumindest fest. Die Frage, was „Gerechtigkeit“ sei, ist heute so aktuell wie zu Platons Zeiten…
Oder etwa nicht?