Präambel
Unter dem Begriff Schulprofil stellt das Balthasar-Neumann-Gymnasium seine von Schülern, Eltern und Lehrern gemeinsam festgelegten Schwerpunkte und Leitlinien zusammen, auf die alle im schulischen Alltag Wert legen. Zweck des Profils ist es nicht, eine umfassende Gesamtschau aller angebotenen Aktivitäten zu erstellen, da eine Schule mehr ist als die Summe ihrer Einzelteile. Vielmehr werden die übergeordneten Prinzipien, die die Vielzahl der angebotenen Aktivitäten zusammenhalten und sinnvoll verbinden, nach außen für die Öffentlichkeit und nach innen für die am Schulleben direkt Beteiligten deutlich gemacht.
In einem zweijährigen Entstehungsprozess haben sich Schüler, Lehrer und Eltern des Balthasar-Neumann-Gymnasiums folgende Schwerpunkte gesetzt:
• Gelebte Werte
• Erziehung zur Selbständigkeit
• Wissenserwerb
• Lernen für das Leben und von der „Außenwelt“
Um das Schulprofil schärfer zu akzentuieren, gilt es einerseits, über bestehende Aktivitäten zu reflektieren und einem oder mehreren der vier Schwerpunkte zuzuordnen. Manch bewährte schulische Einrichtung, die im Laufe der Jahre institutionalisiert worden ist und deshalb als selbstverständlich erachtet wird, kann somit neu ins Bewusstsein gerückt oder als inzwischen nicht mehr hilfreich identifiziert werden. Andererseits muss überlegt werden, welche einzelnen Aspekte unserer Schule weiter verstärkt werden können und wo zukünftig Bedarf für zusätzliche Projekte besteht.
Das Schulprofil des Balthasar-Neumann-Gymnasiums versteht sich nicht als unveränderlich, sondern muss immer wieder neu überdacht und fortgeschrieben werden.
„Werte lehren die Verhältnisse“
(Friedrich Schleiermacher)
Gelebte Werte
Wertschätzender Umgang miteinander ist von großer Bedeutung, damit Leben und Lernen in der Schule Freude machen kann, damit Bildung erfolgreich sein und Erziehung den ganzen Menschen betreffen kann. Werte kann man aber nicht verordnen , sie werden erst aus dem Zusammenleben gewonnen und benennbar.
Wertschätzender Umgang
Am Balthasar-Neumann-Gymnasium gehen alle Beteiligten wertschätzend miteinander und achtsam mit Dingen um. Wir haben Respekt voreinander und achten einander, auch im Streit, als wertvolle Menschen.
Gleichheit
Dafür ist allerdings unabdingbare Voraussetzung, dass die Idee der Gleichheit tief in uns verankert wird: Jeder kann vom anderen verlangen, dass er von ihm behandelt wird, wie er selbst auch behandelt werden möchte.
Umgang mit Regeln
Bei Regeln beschränken wir uns bewusst auf das Notwendige. Wichtig ist uns, dass Regeln von allen verstanden werden können und dass ihre Ziele allen klar werden. Bei der Umsetzung dieser Regeln sind uns Konsequenz und Einheitlichkeit wichtig.
Menschen mit Stärken und Schwächen
Wir wissen voneinander als Menschen mit Stärken und Schwächen. Wenn Ziele nicht erreicht werden, dann ist uns das Anlass für Hilfestellung und Unterstützung.
Differenzen und Konflikte
Grundsätzlich gibt es am Balthasar-Neumann-Gymnasium keine Toleranz gegenüber körperlicher und psychischer Gewalt.
Eltern, Lehrer und Schüler legen Wert darauf, Differenzen und Konflikte mit dem jeweiligen Gegenüber auf einer Ebene zu diskutieren und im vertrauensvollen Umgang (nach den Grundsätzen der Mediation) miteinander zu lösen.
Die genannten Grundsätze erfordern von allen Beteiligten ein hohes Maß an Ehrlichkeit, Mut und Verantwortung sowie die Fähigkeit, für Fehler geradezustehen. Daher werden für alle beteiligten Personen Möglichkeiten geschaffen, die notwendige Diskussions- und Gesprächskultur zu erwerben und einzuüben.
Beispiele zur Säule „Gelebte Werte“:
• Mehrtägige Fahrten: Schullandheimaufenthalt der 5. Klassen: "Kennenlerntage", Dachaufahrt in der 9. Jahrgangsstufe, Tage der Orientierung in der 11. Jahrgangsstufe
• Suchtprävention
• Sexualpädagogisches Projekt
• Thema „Eine-Welt“: Projekt ali.sk (Unterstützung eines Heims für Straßenkinder in Indien), Tombola am Straßenfest, Weihnachts-Trucker, Fairer Pausenverkauf
• Thema Beratung: Schülersprechstunde, Neuansatz Mediation
„Jemandem einen Fisch geben, das reicht ihm für eine Mahlzeit, jemanden fischen lehren, das reicht ihm für das ganze Leben.“ (Chinesisches Sprichwort)
Erziehung zur Selbständigkeit
Das Balthasar-Neumann-Gymnasium legt Wert darauf, den Schüler zu befähigen, selbständig zu handeln. Dies äußert sich als selbsttätiges verantwortungsvolles Handeln gegenüber sich selbst und auch gegenüber der Schulgemeinschaft sowie der Gesellschaft. Da der Schüler ein Teil der Schulgemeinschaft ist, übernimmt er Verantwortung für ihr Gelingen.
Formen
Selbständiges Handeln zeigt sich zum einen direkt im schulischen Lehr- und Lernprozes s . Die Schüler werden selbst zu aktiven Produzenten ihres Wissens, das sie für sich selbst nutzbar machen. Es wird Wert gelegt auf ein vertieftes Verstehen der Lerninhalte, das die Schüler in die Lage versetzt, nicht nur zu rekapitulieren, sondern Stellung zu nehmen, zu kommentieren und zu werten. Dabei stellen Selbständigkeit aktivierende Unterrichtsformen aber nicht die ausschließliche Unterrichtsmethode dar. Vielmehr erweitern Phasen selbständiger Arbeit, wenn möglich und sinnvoll, die vom Lehrer direkt gesteuerten Unterrichtsformen.
Zum anderen übernimmt der Schüler als Teil der Schulgemeinschaft Verantwortung, die sich als innere Haltung im alltäglichen Verhalten zeigt, wie z. B. in der Verantwortung dafür, die schulischen Einrichtungen sauber zu halten. Der Schüler initiiert und gestaltet aber auch selbstverantwortlich Aktivitäten. Möglichkeiten hierfür bieten die SMV als Institution und eigene informelle Gruppierungen innerhalb einer Klasse oder klassenübergreifend.
Verantwortlichkeit
Schüler, Lehrer und Eltern tragen gleichermaßen Verantwortung.
Es wird Wert darauf gelegt, dass der Schüler selbst Verantwortung für seinen Lernweg und seinen Lernerfolg übernimmt. Voraussetzung dafür ist, dass eine grundsätzliche Bereitschaft, eine Motivation zum Lernen vorhanden ist. Über scheinbare Misserfolge sieht der Schüler nicht hinweg, sondern er ist bereit, sich mit seinen Fehlern auseinander zu setzen und aus ihnen zu lernen.
Der Lehrer hat die Aufgabe, einen Rahmen vorzugeben, anregende Lernsituationen zu gestalten, den Schüler bei seinen Lernprozessen zu beraten, mit ihm Problemlösungsstrategien zu entwickeln und Helfer bei der Selbstreflexion der Schüler zu sein. Der Lehrer wendet Fehler ins Positive und zeigt den Schülern die in den Fehlern liegende Chance zur Weiterentwicklung auf.
Die Eltern nehmen Anteil am Lernweg und Lernverhalten ihrer Kinder. Sie unterstützen sie vertrauensvoll und geben ihnen damit das Signal zu eigenverantwortlichem und motiviertem schulischem Handeln. Die Eltern arbeiten dahingehend mit den Lehrern zusammen und anerkennen deren fachliche und pädagogische Kompetenz.
Beispiele zur Säule „Erziehung zur Selbständigkeit“
• Experimente antworten, Jugend forscht
• Börsenspiel
• Comenius-Projekt
• Schülerzeitung
• Tutoren
• Literaturtag
„ Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean.“
(Isaac Newton)
Wissenserwerb
Dem Balthasar-Neumann-Gymnasium ist es wichtig, die Schüler nach ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern, wobei Begabungsunterschiede angemessen berücksichtigt werden. Dabei wird der Vielfalt der menschlichen Begabungen durch das breite Fächerangebot und die vielen Aktivitäten in- und außerhalb des Unterrichts Rechnung getragen.
Unterrichtsformen und Unterrichtsangebote
Wissenserwerb am Gymnasium ist selbsttätiges Lernen nebst stärker lehrer- gestütztem Unterricht. Der Lehrervortrag ist für die komprimierte Form der Wissensvermittlung unverzichtbar, offene Unterrichtsformen hingegen (Gruppenarbeit, Projektarbeit, Präsentationen) eignen sich besonders dazu, Schüler zu selbständigem Arbeiten anzuhalten. Um Gelerntes erfahrbar zu machen, wird - wenn möglich – der Bezug zur Lebenswirklichkeit hergestellt. So hilft zum Beispiel der Schüleraustausch den Schülern, ihre Sprechfertigkeit in der jeweiligen Fremdsprache zu verbessern.
Wertvolle Erfahrungen sammeln Schüler außerdem durch den Wahlunterricht in Sport, Musik und Schulspiel, durch die Mitarbeit bei der Schülerzeitung, die Teilnahme an Wettbewerben, z. B. bei „Jugend debattiert“ oder bei der Mathematikolympiade.
Ein besonderes Anliegen der Schule ist es auch, die Lesekompetenz der Schüler zu stärken, da von ihr der Erfolg in verschiedenen Fächern entscheidend abhängt. Außerdem legt das Balthasar-Neumann-Gymnasium Wert darauf, dass naturwissenschaftliche Problemstellungen im Zusammenhang mit ethischen, gesellschaftlichen und ökologischen Fragen behandelt werden.
Der gezielte Einsatz von modernen Medien sowie das fächerübergreifende Lernen stärken das Bewusstsein, dass es im Gymnasium um zukunftsorientiertes und vernetztes Lernen geht.
Leistung und Lernkultur
Ein gewisses Maß an Neugier und Motivation wird bei den Schülern vorausgesetzt. Die Bereitschaft zu geistiger Anstrengung und zur Freude an der Leistung sollte vorhanden sein. Eine häusliche Atmosphäre, die die Schüler zur Leistung motiviert, unterstützt die Ziele des Balthasar-Neumann-Gymnasiums nachhaltig.
Wissenserwerb als Entdeckung fördert Selbständigkeit und Neugier und erhöht die Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit der Lernenden in Lebenssituationen, die sich schnell ändern.
Beispiele zur Säule „Wissenserwerb“
• Historische, geographische und naturwissenschaftliche Exkursionen
• Fremdsprachenwettbewerbe in Französisch und Englisch
• Mathematik-Olympiade
• Geo-Wissen-Wettbewerb
• Mathe-Keks
• Theaterfahrten
• Ausstellungsbesuche
„Non scolae, sed vitae discimus“
Lernen für das Leben und von der “Außenwelt“
„Non scolae, sed vitae discimus“ als ein Leitspruch am Balthasar-Neumann-Gymnasium bedeutet, dass den Schülern bewusst wird, dass nicht die Noten allein, sondern vielmehr das erworbene Wissen ausschlaggebend für ihre berufliche Zukunft sein wird. Wichtig ist für uns, dass die Schüler nicht nur theoretisches Wissen erwerben, sondern sich in gleicher Weise Fähigkeiten und Fertigkeiten erarbeiten, die über den Schulalltag hinausgehen.
Lernen für das Leben und die berufliche Zukunft
Neben dem notwendigen Basiswissen, das weiteren, selbständigen Wissenserwerb erst ermöglicht, sind differenzierte Arbeitstechniken und problemlösendes Denken zu nennen. Dabei spielt das Erlernen moderner Präsentationsmöglichkeiten oder Darstellungsformen eine große Rolle, aber auch die Einsicht in die Notwendigkeit der so genannten Sekundärtugenden.
Durch ein für alle Schüler des BNG verpflichtendes Praktikum in der Oberstufe werden die Berufsinformationen ergänzt und die Schüler gewinnen einen Einblick in die Berufs- und Arbeitswelt.
Durch den Unterricht und die außerunterrichtlichen Lernangebote werden die Sozial- und die Selbstkompetenz gestärkt und so auch die Fähigkeit und Bereitschaft der Schüler geweckt, Verantwortung in- und außerhalb der Schule zu übernehmen. Außerdem werden für das tägliche Leben relevante Fähigkeiten erworben.
Lernen von der „Außenwelt“
In den Unterricht werden, wo immer es sinnvoll und möglich ist, außerschulische Experten eingebunden. Vertreter der Wirtschaft, der Politik oder der Universitäten sowie anderer Organisationen begleiten und unterstützen mit ihren praktischen Erfahrungen die Vermittlung der theoretischen Lerninhalte durch die Lehrkräfte. Damit wird die praktische Relevanz der Unterrichtsinhalte exemplarisch verdeutlicht und so die Motivation der Schüler gesteigert. Außerdem erfolgt eine Vernetzung von theoretischen Kenntnissen und praktischer Erfahrung. Unterrichtsgänge und Exkursionen ergänzen das Lernen im Klassenzimmer durch Erlebnisse und tragen zu ganzheitlichem Lernen bei.
Beispiele zur Säule „Lernen für das Leben und von der „Außenwelt““
• Lernen für das Leben: Bank- und Betriebserkundungen, Informationstage an verschiedenen Universitäten, Betriebspraktika (11. Jahrgangsstufe)
• Lernen von der „Außenwelt“: Geowoche am Geographischen Institut